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© Rennstall Kessler, 2020
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CASTEL SEMPILL

05.03.1997- 2003 Presidium - La Suquet Sempi wurde uns im Jahre 2002 vermittelt. Der kleine braune Wallach ähnelte unserem Star-Crössler Bogi sehr, weshalb Markus und Ursi nicht zweimal überlegten und sofort zusagten. Sempi fühlte sich im neuen Stall sofort heimisch und lebte sich super schnell ein. Sempi liebte seine Mädchen und oft spielten die beiden in seinem Auslauf. Er schaute immer interessiert zu und achtete sehr darauf, dass „seinen“ Mädels nichts passiert. Auch in den vier Rennen, die er im Kessler-Dress gelaufen ist, entpuppte sich Sempi als wahres Traumpferd. Er sprang immer super und hat stets alles gegeben. Im Training war er immer die Ruhe selbst und war im Umgang einfach ein „Schätzeli“. Am 9. Juni 2003 jedoch veränderte ein Rennunfall das Leben von Sempi und seiner Familie drastisch. Sempi startete im Cross in Frauenfeld und machte seine Sache wie immer super. Beim Sprung Ende Gegenseite ging der Kurs recht scharf nach links, aussen an den Rails vorbei. Sempi landete nach dem Sprung ganz rechts und erwischte die Kurve leider nicht mehr. Aus unerklärlichen Gründen standen an den Rails Gitter, welche während den Rennen überhaupt nicht dort hingehörten und auch nicht abgepolstert wurden. Sempi und sein Reiter Urs Wyss konnten die Kollision nicht mehr verhindern und Sempi knallte voll mit der rechten Schulter in den offenen Gitterrahmen. Er rappelte sich wieder hoch und galoppierte den anderen Pferden nach. Markus stand in der Mitte der Bahn und hat alles mit angesehen. Geistesgegenwärtig ist er Richtung Einlauf losgesprintet, über das Rail gehechtet und kam tatsächlich vor Sempi dort an. Genau in diesem Moment sprang Sempi den Einlaufsprung und Markus rief seinen Namen. Zuerst galoppierte Sempi den anderen Pferden nach, drehte dann aber ab und rannte direkt zu Markus. Gottseidank hat ein guter Freund den erst der Lage erkannt und sofort eingegriffen. Sempi hatte eine klaffende Wunde im linken Oberschenkel und sich eine Arterie verletzt. Instinktiv handelten alle richtig. Markus führte Sempi von der Bahn während der Freund mit blossen Händen versuchte, die Blutung zu stoppen. Sofort war der Tierarzt zur Stelle und Sempi wurde noch auf der Bahn zum ersten Mal operiert. Nach bangen, tränenreichen Stunden konnte die Familie Kessler und sämtliche Freunde des Rennsports das erste Mal aufatmen. Sempi hat den Unfall und die Operation überlebt und war transportfähig. Er durfte im eigenen Anhänger in die Klinik nach Zürich fahren, wo er sofort weiter betreut wurde. Sempi musste einige Wochen im Tierspital bleiben. Natürlich erhielt er oft Besuch von seiner Familie. Besonders seine Mädchen vermisst Sempi sehr. Seine Wunde musste täglich mehrmals gespült werden, weshalb ihn die Tierärzte nicht nach Hause lassen wollten. Die Verletzung heilte zwar gut, doch Sempis Gemütszustand verschlechterte sich zusehends. Er war sich nicht gewohnt ständig in der Box zu sein und vermisste seine Familie und Freunde offensichtlich, auch wenn er in der Klinik super versorgt wurde. Als er dann auch noch zu Hufrehe neigte, war es für Markus und Ursi genug. Sie würden Sempi nach Hause holen und ihn selber pflegen. Noch am selben Tag waren sie mit Sempi im Hänger auf dem Weg nach Niederbipp. Endlich zu Hause angekommen, hinkte Sempi mit seinem riesigen Verband in seine Box und dann sofort weiter in seinen Auslauf. Dort schaute er sich um, stiess einen Freudenschrei aus und sprang mit allen Vieren in die Luft. Von da an ging es Sempi besser und besser. Ursi und die Kinder spülten täglich mehrmals Sempi’s Wunden und er liess alles geduldig über sich ergehen. Dank Grosvati’s Supersalbe heilten die Verletzungen super und waren schon nach kurzer Zeit zugewachsen. Langsam begannen Markus und die Mädchen Sempi wieder aufzubauen. Anfangs führte Markus Sempi an der Hand und unternahm schöne Spaziergänge mit ihm. Die Mädchen begleiteten die beiden immer mit dem Velo und durften abwechslungsweise auf Sempi reiten. Später nahm Markus ebenfalls das Velo und unternahm mit Sempi und den Kindern stundenlange Ausritte. Dabei haben die Mädchen das Leichttraben gelernt und Sempi konnte nach und nach wieder Kraft und Muskeln aufbauen. Später begann auch Markus ihn wieder zu reiten und nahm das normale Training wieder auf. Sempi entwickelte sich prächtig und war bereit, um wieder ins Renngeschehen einzugreifen. Er war für ein Rennen genannt, doch kurz vor Nennschluss zog ihn Markus wieder zurück. Sempi war ihm so ans Herz gewachsen, er wollte nicht riskieren, dass er Sempi zu früh, zu viel zumutete. Leider erlitt Sempi einige Tage nach dieser Entscheidung eine schwere Kolik. Er wurde wieder ins Tierspital eingeliefert, konnte aber tragischerweise nicht mehr gerettet werden. Sempi bleibt aber mit seiner lieben, anhänglichen Art für immer in unseren Herzen. Seine Geschichte ist in Rennsportkreisen noch immer präsent. Trotz aller Tragik war es wunderschön, wie viel Rückhalt und Unterstützung die Familie Kessler durch ihre Rennsport-Freunde erfahren durften.
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